Liebe im Schatten des Regenbogen

Frauen schwuler Väter sind Frauen cooler Väter

Mein Weg

Die Entscheidung diesen Blog zu starten, war für mich eine der „richtigsten“ Entscheidungen meines Lebens glaube ich! Einerseits tut es mir gut mir meine Gedanken und Gefühle von der Seele zu schreiben, andererseits lerne ich durch diesen Blog jeden Tag neue Dinge über das Leben und mich selbst. Wie kann man durch einen Blog lernen?? Indem man sich beim schreiben mit sich selbst und dem Leben auseinandersetzt und mit den Geschichten anderer Menschen! Ich habe heute, wie schon so oft, eine Email erhalten! Ein Email von einem schwulen Vater aus Österreich, der im Sommer 2013 mit seiner Frau sein Coming out gefeiert hat. Seine Email hat mich sehr berührt! Ich freue mich immer über die Offenheit und Ehrlichkeit der Lebensgeschichten, die ich (eine Fremde) hören darf. Es gibt allerdings eine Sache, die mich immer wieder stutzig macht. Die meisten Rückmeldungen die ich bekomme zeigen eine ganz andere Zukunftsvorstellung, als ich sie für mich entwickelt habe. Immer wieder höre ich Sätze wie zum Beispiel

Unsere Idee ist, dass wir als Kernfamilie zusammen bleiben und etwaige Partner hinzukommen können“

oder

Wir versuchen trotzdem zusammen zu bleiben!

Ich bewundere alle Ehepaare, die diese Vision tatsächlich leben können! Für mich selbst war ein derartiges Familienkonzept aber vom ersten Augenblick an gänzlich ausgeschlossen. Als ich von der Homosexualität meines Mannes erfahren habe, war er gerade stationär in Therapie! Also stand gemeinsames übernachten im Ehebett vorläufig gar nicht zur Debatte (Nach der Therapie ist er gleich ins Gästezimmer gezogen). Seine größte Angst war, dass er die Wohnung bei seiner Rückkehr verlassen vorfinden würde. Auch das ist etwas, was für mich nicht in Frage gekommen wäre. Dennoch war ab dem ersten Augenblick für mich klar, dass die logische Konsequenz aus seiner Homosexualität langfristig eine Trennung bedeutet. Ein schwuler Mann sucht doch nicht nur Sex mit Männern! Ich glaube ein schwuler Mann wünscht sich in jeder Hinsicht einen männlichen Partner fürs Leben. Da bin ich als Frau wohl nicht die Richtige. Wenn ich mir vorstelle, wie mein Leben mit 80 Jahren aussieht, dann sehe ich mich mit einem Mann an meiner Seite auf einer Bank sitzen. Ich fürchte, wenn mein Mann sich sein Leben mit 80 Jahren vorstellt, dann sieht er das gleiche wie ich: Sich selbst mit einem Mann an seiner Seite.

Ganz eindeutig: Wir werden uns (nicht gleich, aber irgendwann) trennen und neue Wege gehen!
Die Verbindung die zwischen uns besteht wird aber bleiben! Eine tiefe Verbundenheit, blindes Vertrauen,  unsere Seelenverwandtschaft und unsere zwei wunderbaren Jungs!

Nach dem Coming Out meines Mannes habe ich mich in diversen Chaträumen angemeldet. Zuerst wollte ich nur in entsprechenden Chanels nach Menschen mit ähnlichen Erfahrungen suchen.  Dann aber habe ich sehr schnell festgestellt, dass es mir gut tut zu flirten. Es gab den einen oder anderen Mann, den ich gar nicht so unsympathisch fand und es war ein wahnsinnig tolles Gefühl, endlich wieder Komplimente zu hören. Ich hatte endlich wieder das Gefühl begehrenswert zu sein. Ich ließ mich irgendwann darauf ein, es gab sogar ein Date, ein nettes Mittagessen, aber mehr auch nicht. Natürlich spielte ich in dieser Zeit absolut mit offenen Karten. Sowohl mein Mann, als auch das Date waren über alles informiert. Aber irgendwann merkte ich, dass ich mir selbst zu schnell war. Ich erkannte, dass mein Verhalten wohl nur eine Suche nach mir selbst und vor allem meinem eigenen Selbstwertgefühl war.  Acht Wochen nach dem Coming Out beschloss ich, mich erst einmal nur auf mich und meine kleine Familie zu konzentrieren. Die Menschen, die wirklich wichtig für mich sind.

Es war Silvester. Ich setzte mich an den PC, um meine Profile aus allen Internetforen zu löschen, in die ich mich mittlerweile eingeloggt hatte. Beim letzten Portal stolperte ich auf dem Weg zum Logout über ein Profilbild, dass mir gefiel. Ich klickte es an und las das dazugehörige Profil. Ein Mann, der großen Wert auf Ehrlichkeit und Offenheit legt. Die Worte die ich las berührten mich sehr und ich hinterließ eine Nachricht: „Ich wünsche einen guten Rutsch ins Jahr 2015“!
Am nächsten Morgen sah ich nach, ob es eine Rückmeldung gab. Die gab es und er war gerade online. Wir fingen morgens an zu chatten, nach wenigen Minuten tauschten wir unsere Handynummern und schrieben über Whats App weiter, wir konnten nicht aufhören, bis nachts um 2 Uhr. Mittlerweile telefonieren wir täglich. Auch er lebt seit Anfang Januar von seiner Frau getrennt. Wir reden viel miteinander, hören einander zu, verstehen uns blind. Es hat sich in den vergangenen 9 Wochen eine wunderbare Freundschaft entwickelt. Was uns die Zukunft bringt weiß niemand aber was die 9 Wochen definitiv bewirkt haben kann ich ganz klar sagen:

Wenn ich mir heute mein Leben mit 80 Jahren vorstelle, dann sehe ich ihn neben mir auf der Bank, mein Mann sitzt mit seinem Partner auf der Bank gegenüber und wir halten alle zusammen ein Pläuschchen.

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Ein Kommentar zu “Mein Weg

  1. Norbert Jäger
    8. März 2015

    Liebe fraumitherz,

    in deinem jetzigen Beitrag sehe ich viel Realitätssinn deinerseits. Das ist bewundernswert. Leider sehe ich hier überhaupt keine Aktivitäten von Seiten deines Mannes. Aus welchen Gründen auch immer – sei es, das er nicht kann, sei es dass er nicht will. Aber das ist schade. Ich glaube, dass ihr gemeinsam noch mehr erreichen könntet . . .

    LG Norbert

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 5. März 2015 von und getaggt mit , , , , .
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