Liebe im Schatten des Regenbogen

Frauen schwuler Väter sind Frauen cooler Väter

Mit Vollgas auf der Überholspur…geht das gut???

Ja, in den vergangenen zwei Tagen haben wir Vollgas gegeben. Mit jedem Gespräch, das wir geführt haben, stieg mein Wunsch unsere Geschichte in die Welt hinaus zu trommeln. In meinem Kopf ratterten Gedanken wie: „Wem müssen wir es noch sagen, bevor er es von Dritten erfährt?“, „Der Große weiß es, wann sagen wir es dem Kleinen?“, „Was geht in den Köpfen der Informierten vor?“ Wenn ich durch das Dorf gehe frage ich mich ständig was die Leute denken! Wer weiß es tatsächlich schon? Wer hat noch kein leise Ahnung? Für mich sind diese Gedanken nicht unerträglich, ich finde sie eher befreiend, denn sie zeigen, dass wir riesen Schritte machen und die Zeit nicht offen und ehrlich reden zu können bald vorbei ist.

Allerdings gibt es einen ganz besonders wichtigen Punkt, der mir in meinen Gedanken immer wieder entgleitet, den ich aber nicht aus den Augen verlieren darf!

Ich sollte manchmal wohl ein wenig auf die Bremse drücken.

Nicht jeder Mensch in dieser Welt kann einem Coming Out spontan etwas Positives abgewinnen. Es gibt Menschen, die sich vor den Kopf gestoßen fühlen und das Gehörte erst einmal verarbeiten müssen.  Wir hatten jetzt schon ein paar Wochen Zeit unsere Gefühle zu verarbeiten. Wir konnten uns in aller Ruhe vorbereiten, auf das was gerade passiert. Unser Gegenüber muss es erst einmal greifen und begreifen können.

Das wichtigste aber ist, dass ich nicht vergessen darf, wie es meinem Mann gerade in dieser Zeit geht. Ich glaube wir legen völlig unterschiedliche Tempi an den Tag. Es ist wohl leichter, sich mit der Homosexualität eines anderen abzufinden, als die eigene Homosexualität zuzulassen. Mein Mann geht toll, stark und aufrecht damit um, aber ich bin trotzdem häufig zu schnell für ihn. Erst gestern hat er mir diesbezüglich wieder einmal die Augen geöffnet. Als ob es nicht Belastung genug gewesen wäre am Montag mit dem Kindergarten und mit dem eigenen Sohn zu sprechen und am Folgetag noch ein Therapiegespräch zu führen habe ich ihn dann noch gebeten, ein Gespräch mit unseren Freunden zu führen.

Er muss sich gestern wohl gefühlt haben wie nach einem Treppensprint in den zehnten Stock eines Hochhauses! Tja, und dann kam ich und habe ihn in den Fahrstuhl geschoben, den Abwärtsknopf gedrückt und von ihm erwartet, dass er gleich noch einmal hochläuft! Da ist es dann wohl selbstverständlich, dass die gute Stimmung schnell kippt und auch mal Diskussionen entstehen!

Man sollte nicht vergessen, dass seit seinem Coming Out mir gegenüber gerade mal vier Monate vergangen sind! Für mich war es ein Befreiungsschlag, für ihn der Anfang eines langen steinigen Weges!

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2 Kommentare zu “Mit Vollgas auf der Überholspur…geht das gut???

  1. Heike
    18. März 2015

    Liebe FmH, es geht gut, weil ihr offen und ehrlich seid. Und ja es ist ein Befreiungsschlag. Für mich war es einer. Und für meinen Mann auch. Natürlich war er es erst mal den Kindern gegenüber. Die waren vorrangig. Und dann kam der Rest. Und wir haben wie ihr überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Wir haben uns auch viele Gedanken gemacht. Meist negative, wie das so ist, wenn man auf dem Dorf lebt, aber es war durchweg positiv. Auch heute noch nach fast 11/2 Jahren. Ich bin froh, dass wir sehr schnell diesen Schritt gegangen sind, denn ich wäre sonst irgendwann geplatzt. Es musste aus mir raus. Wie du geschrieben hast, es war wie ein Befreiungsschlag. Ihr habt das toll gemeistert.
    LG Heike

    Gefällt mir

  2. Robert
    21. März 2015

    Hallo Fmh,

    ich kann Heike zu 100 % zustimmen da Sie und ich das gleiche erlebt haben. Dieses Gefühl sich nicht mehr verstecken zu müssen, sei es vor den eigenen Kinder, der Familie oder auch vor Freunden und Bekannten ist tatsächlich ein Befreiungsschlag..
    Ich/ wir haben uns viele Jahre damit gequält. Und heute sind es fast 2 Jahre das wir diesen schritt gegangen sind.
    Es ist auch ganz wichtig, so denke ich heute, das man zu dem steht was man ist und was man will. Aus den Erfahrungen die wir machen konnten, kann ich nur sagen das es der richtige Schritt war den wir gegangen sind.
    Heute sind wir die besten Freunde und sie ist meine engste vertraute. Leider ist das nicht bei allen der Fall, doch ich kann für mich sagen das ich sehr froh darüber bin und auch sehr stolz auf meine Frau bin wie sie damals und auch heute damit umgeht…

    LG Robert

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 18. März 2015 von und getaggt mit , , , , , .
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