Liebe im Schatten des Regenbogen

Frauen schwuler Väter sind Frauen cooler Väter

Wendepunkt

IMG_20150419_192639Als ich diesen Blog erstellt habe, hatte ich einen Wunsch, einen Traum! Ich möchte andere betroffene Menschen an unserer Geschichte teilhaben lassen. Ich habe die Hoffnung ihnen Mut zu machen, ihnen Kraft und Unterstützung zu geben. Ob ich in dieser Hinsicht bisher erfolgreich war, kann ich leider nicht sagen. Ich habe bisher viel positives, aber auch negatives Feedback bekommen. Für beides bin ich dankbar!

Aber nicht nur hier im Blog bekommen wir Feedback für unser Verhalten. Auch in Gesprächen, Telefonaten, Geesten und Worten bekommen wir Antworten auf unsere Offenheit und Ehrlichkeit! Vorige Abende sagte eine Freundin zu mir, dass es ihr schwer fiel uns und unser Verhalten zu verstehen. Dann allerdings habe sie meinen Blog gelesen und festgestellt, dass es leichter wurde alles nachzuvollziehen. Tatsächlich ist der Link zu diesem Blog mittlerweile zu einem beliebten Medium geworden, dem Umfeld unseren Weg zu erklären. Über positive Rückmeldungen zu meinem Blog freue ich mich natürlich besonders, denn dann habe ich das Gefühl das Richtige zu tun. Aber die Kritik ist nicht immer positiv. Es gibt auch Menschen die behaupten wir würden unser ganzes Privatleben öffentlich breittreten. Das sehe ich anders! Für mich ist dieser Blog meine kleine ganz eigene Rebellion gegen Intoleranz! Wir haben in den letzten Wochen viele Gespräche geführt und bisher war die am häufigsten geäußerte Reaktion tatsächlich Respekt für den Mut mit unserer Lebenswahrheit offen und ehrlich umzugehen. Allerdings haben wir bisher auch immer das direkte Gespräch gesucht: mit Familienmitgliedern, Verwandten, engen Freunden.

Jetzt sind wir an einem Wendepunkt angekommen.

Jetzt hat sich unsere Geschichte soweit durch das Dorf geschwiegen, dass viele es nicht mehr von uns, sondern von Anderen erfahren. Das will ich auch gar nicht kritisieren! Ich finde es gut, dass es sich langsam rumspricht. Allerdings macht es die Situation für uns emotional nicht einfacher. Man begegnet tagtäglich Menschen, die man schätzt und mag, mit denen man immer gerne ein Wort gewechselt hat und es auch immer noch gerne tun möchte.  Nur stellt man sich jetzt bei jeder dieser Begegnungen die Frage: „Was weißt du?“ oder „Wie stehst du dazu?“ Leider kann man den Menschen immer nur vor den Kopf und nicht in den Kopf gucken. Und es wird auch wohl niemand kommen und sagen: „Ich habe gehört dein Mann ist schwul,…!“ obwohl mir das lieber wäre! Dann wüsste ich wenigstens, woran ich bin. Und solche Begegnungen wären nicht so krampfig! Natürlich wird auch unser Umfeld Zeit benötigen, die Veränderungen in unserem Leben zu akzeptieren! Wir selbst haben ja auch unsere Zeit gebraucht.

Es gibt Augenblicke, da würden wir beide (mein Mann und ich) am Liebsten einen Leserbrief an die Regionale Zeitung schicken, diesen Blog bei Facebook posten, oder sonst etwas unternehmen, um nicht immer und immer wieder die gleiche Geschichte erzählen zu müssen! Man sieht immer wieder die gleichen sprachlosen und doch fragenden Gesichter! Aber natürlich werden wir es nicht tun! Wir würden damit viel zu vielen Leuten vor den Kopf stoßen und wir müssen uns auch nicht rechtfertigen! Dann würden wir vermutlich tatsächlich unser Privatleben öffentlich breittreten!

Es ist für uns beide anstrengend immer wieder die gleichen Fragen zu beantworten.  Aber mit jedem Gespräch wird es einfacher. Mit jedem Gespräch gehen wir freier und unbefangener mit dem Thema um. Und ich glaube es ist ein wichtiger Prozess! Ein Prozess der für uns zwingend notwendig ist, um irgendwann völlig unbefangen und selbstsicher durchs Leben gehen zu können.

Als ich gestern Abend meinen achtjährigen Sohn ins Bett gebracht habe, hat er mich wieder einmal zur glücklichsten Mutter der Welt gemacht mit den Worten:

Mama, mein Bruder und ich haben ein ganz tolles Zuhause!
Uns geht’s richtig gut! Viel besser als anderen Kindern!

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4 Kommentare zu “Wendepunkt

  1. Norbert Jäger
    29. März 2015

    Liebe fraumitherz,

    lasst euch nicht beirren. Das ist dein / eurer Weg mit dem Thema umzugehen. Ihr seit mutig und das ist gut so. Und glaube mir, die Reaktionen bzw. das Wegschauen im Dorf wären so oder so gekommen – mit oder ohne Blog. Und wenn euch einer dumm kommt, dann hilft nur eines: Tacheles reden!

    Ich wünsche euch weiterhin die Kraft und den Mut für eure Sache mit dem Schwulsein umzugehen.

    Liebe Grüße aus Bremen
    Norbert

    Gefällt 1 Person

  2. gerritjanappel
    29. März 2015

    Ich würde sagen, ihr macht da einen ganz normalen Teil des Prozesses durch, den jeder erlebt, der allmählich die Information verbreitet, dass sich im Leben etwas ganz Gravierendes verändert hat.

    Egal, ob man nun verkündet, dass der Ehepartner homosexuell ist und man sein weiteres Leben als beste Freunde gestaltet, ob man sich entschieden hat, mit 70 noch einmal zu heiraten, ob man sich entschieden hat, seinen sicheren Job im Personalmanagement eines börsennotierten Konzerns zugunsten der unsicheren Selbständigkeit als freier Autor aufzugeben…: Es gibt die Leute, die einem offen begegnen. Es gibt die Leute, die das Thema totschweigen, weil sie ratlos sind. Es gibt die Leute, die das Thema totschweigen und sich ihre negative Einstellung nur denken. Es gibt die Leute, die einem offen ihre Ablehnung spüren lassen.

    Es ist jetzt ja nicht nur eine Zeit des Umbruchs für euch, sondern für alle, und auch diese Leute müssen sich erstmal neu sortieren. Es ist die Zeit, in der sich alles neu sortiert – nicht nur das Gefüge innerhalb eurer Familie, sondern auch der Leute um euch herum. Da wird es positive Überraschungen geben, aber auch negative. Wichtig ist, sich von den negativen nicht zu sehr beeindrucken zu lassen. Zur Kenntnis nehmen, Er-kenntnis und Konsequenzen daraus ziehen und den eingeschlagenen Weg weitergehen….

    Wie gesagt, das ist eine Phase im Gesamtprozess, der bald eine weitere folgen wird. Und mit jeder wird es leichter.

    Gefällt 1 Person

  3. caro
    30. März 2015

    es ist vielleicht auch etwas viel von den „dorfbewohnern“ erwartet, wenn du darauf wartest, dass sie dich ansprechen. ganz ehrlich: ich will auch nicht wissen was mein nachbar so privat macht in sexueller hinsicht / es interessiert mich nicht. und für die aussenstehenden ist es halt nicht ganz so wichtig, ob DEIN mann nun schwul ist oder nicht. tatsächlich preschst du ziemlich vor und andere kommen da 1. nicht mit und 2. wollen sie vielleicht auch gar nicht mit 😉

    es ist EURE sache und ich würde das eigentlich mal als ganz positiv bezeichnen, wenn sich alle dir / euch gegenüber „normal“ verhalten. sonst kannst du echt ne „pressekonferenz“ bei euch machen und dann wissen es alle. nur: wem bringt das was? ihr wollt doch euer leben leben, ihr kommt damit wie du sagst super zurecht – dann ist das doch prima. warum solltet ihr andere leute / nachbarn / fremde da so in eure privatsphäre mit reinziehen? finde das hat nicht mit offenheit zu tun (die toll ist) sondern dass du es nun allen „aufdrücken“ willst u es zu deiner „mission“ gegen intoleranz machst.
    das ist einfach das gegenteil von dem was andere machen, die es versuchen so lange es geht vor allen zu verheimlichen (was auch mist ist!) – aber wenn ihr doch alles als normal empfindet warum müsst ihr es dann jedem auf die nase drücken.

    ich sage immer: von mir aus kann jeder schwul, hetero o sonstwas sein, nur dieses „regenbogenfahne“ raushängen, das geht mir auf den geist. ich drücke ja auch niemand ungewollt auf die nase, dass ich hetero bin 😉

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  4. Frank
    30. März 2015

    Hallo liebe fraumitherz.

    Ich verfolge Deinen Blog nun von Beginn an und habe am Anfang nicht wirklich geglaubt, dass im Laufe der relativ kurzen Zeit schon soviele Beiträge von dir veröffentlicht werden würden.

    Es ist ja eine sehr persönliche Geschichte und fast wie ein Tagebuch. Daher muss ich auch nicht unbedingt JEDEN Eintrag von dir kommentieren, auch wenn es mich manchmal schon gereizt hat.

    Ich kann den Aussagen von gerritjan und caro in Teilen auch zustimmen. Ich finde den Titel ‚Wendepunkt‘ von dir auch gut gewählt. Viele sind mittlerweile informiert, Familie und auch enge Freunde. Und nun hilft es vielleicht, auch mal etwas die Geschwindigkeit zu drosseln. Es wird im Regelfall niemand auf euch zukommen und Fragen stellen oder etwas von sich aus sagen. Und manch einem ist auch die ‚Geschichte des CO‘ auch egal, da ihr als Menschen zählt und nicht als ‚die arme Ehefrau‘ oder der ‚Schwule Vater‘. Und wenn es sich dann mal in einem Gespräch ergeben sollte, es ist doch auch gut. Trotzdem muss ich nochmal betonen, dass dieser Blog für viele ein Glücksfall ist!

    Ich wünsche euch mit den Kindern eine ruhige und schöne Karwoche.

    Alles Liebe.
    Frank

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Dieser Eintrag wurde am 29. März 2015 von veröffentlicht.
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