Liebe im Schatten des Regenbogen

Frauen schwuler Väter sind Frauen cooler Väter

Mein „MannmitHerz“ meldet sich zu Wort

Von guten Mächten treu und still umgeben…

Lautet ein Vers aus einem Brief von Friedrich Bonhoeffer. Seinem Brief vom 19. Dezember 1944 an seine Verlobte fügte Bonhoeffer „ein paar Verse, die mir in den letzten Abenden einfielen“ als „Weihnachtsgruß für Dich und die Eltern und Geschwister“ an, von denen die ersten Verse lauten: Von guten Mächten treu und still umgeben behütet und getröstet wunderbar… Ich glaube ein Lied was mittlerweile jeder Christ nur zu gut kennt…  In diesem Brief schrieb er außerdem: „So habe ich mich noch keinen Augenblick allein und verlassen gefühlt. Du und die Eltern, Ihr alle, die Freunde und Schüler im Feld, Ihr seid immer ganz gegenwärtig.

Auch wenn diese unsere Situation absolut nicht mit der Friedrich Bonhoeffers (er wurde auf ausdrücklichen Befehl Adolf Hitlers hingerichtet.) zu vergleichen ist, so sehe ich mich doch in seinem Text wieder:

Es sind  diese guten Mächte, die einem Kraft geben,  eine schwere Situation zu überstehen. Man nennt diese Guten Mächte auch Seelenverwandte, gute Freunde, Familie. Menschen, die einem das Gefühl der Wertschätzung, des Mitgefühls  entgegenbringen. Ich selbst bin in den letzten Jahren immer mehr „erstarrt“. Diese tiefe Verzweiflung die mich immer mehr vereinnahmte. Wenn ich meine Augen schloss, ich an die Zukunft dachte,  dann waren da drei Gesichter: du liebe Fraumitherz und ihr meine beiden Kinder. Die Zukunft war grau und mit vielen Fragezeichen verhangen. Wie genau nur sollten wir mit dieser Situation nur umgehen. Ich zerstöre das Leben der drei Personen die mir am liebsten waren und sind.  Wenn du in den letzten Monaten und Wochen nicht so stark gewesen wärst und auch nun noch bist, dann hätte ich diese Zeit nur schwer überstanden. Ein sehr lieb gewonnener Freund sagt immer wieder zu mir:  Die Liebe ist ohne Bedingung. Und deine Frau ist ein Geschenk Gottes. Das musst du zu schätzen wissen.  Es sind diese Freunde, die man mittlerweile sehr lieb gewonnen hat. Die einen Kraft geben diese ungewisse Zeit zu überstehen. Genauso wie zwei sehr lieb gewonnene Freunde aus dem Südwesten Deutschlands. Sie fangen uns immer wieder auf. Können selbst aus der weitesten Entfernung etwas ausrichten. Es gibt sehr viele Personen, mittlerweile in ganz Deutschland verteilt  die uns gerade in der jetzigen Zeit sehr viel Verständnis und Mitgefühl entgegenbringen. Die aufmerksam den Blog meiner Frau verfolgen um zu sehen wie es sich bei uns entwickelt. Dafür danke ich euch allen sehr. Ich bin ein Mensch der Christliche Wurzeln hat. Auch dies war ein Grund meine Sexualität nicht zuzulassen. Ich suchte in meiner Therapie also den Priester  der psychiatrischen Einrichtung auf. Ich hatte mit allem gerechnet nur nicht mit Verständnis bzw. mit einer Antwort die ich hören wollte. Aber ich setzte alles auf eine Karte. Ich musste wissen wie die Katholische Kirche über diese Situation dachte. Er fragte mich, was ich jetzt für eine Reaktion von ihm erwarte. Die offizielle Haltung der Kirche würde ich ja bestimmt kennen. Ich müsse die Sache aber anders sehen. Ich müsse für mich erst mal selbst erkennen was richtig ist und ich solle nach meinem Herzen handeln so wie auch Jesus Christus es tat. Nur so könne ich mit meinem Leben zurechtkommen, denn ich bin von Gott so erschaffen.

Nun ist es gut ein halbes Jahr her, dass ich mich meiner Frau gegenüber geoutet habe. Aus dem Gerüst der vielen Fragen  hat sich mittlerweile ein interessantes und stabiles Gebilde entwickelt. Noch sieht es etwas abstrakt aus, aber es gefällt uns immer mehr. Wie unsere Zukunft sich entwickeln wird das kann natürlich keiner sagen. Was ich aber weiß: wenn der neue Weg häufig auch mal steinig sein wird; diese Steine liegen dort um sich auf ihnen auszuruhen um neue Kraft für die nächste Etappe zu bekommen. An diesen Steinen kann man sich auch stoßen. Das bereitet einen dann mal einen kurzen Schmerz. Aber der Schmerz wird vergehen. Aus diesen Steinen kann man etwas Schönes bauen. Jeder Stein ist einzigartig .Egal von welcher Seite man ihn betrachtet, er sieht immer wieder anders aus. Ich liebe Steine. Sie sind so beständig so unverwüstlich. Aus diesem Grund bastelte ich dir in meiner Therapie auch den Stein mit der Gravur: Die Liebe hört niemals auf. Die Liebe verändert sich höchstens in eine tiefe Vertrautheit zueinander.  Und auch wenn sich das Leben bzw. der Lebensplan  ändert heißt es ja nicht das man sich aus den Augen verliert.

Es mag sich hier so lesen als hätte ich eine rosarote Brille (wie es hier ja häufig geschrieben wird) aufgesetzt. Nun so ist es nicht. Es gibt viele Tage, an denen mich eine Zukunftsangst überrollt. Eine Angst wie soll ich das bloß alles schaffen. So viele Faktoren die es zu bedenken gibt. Dann immer noch die Selbstakzeptanz Schwul zu sein. Wie kann ich mir meine Zukunft überhaupt damit vorstellen. Natürlich eine genaue Vorstellung habe ich schon. Die ist nicht anders als in der Heterowelt. Einen Partner an meiner Seite. Ein gemeinsames Leben hier auf dem Hof vielleicht . Gemeinsame Interessen. Dabei spielen meine Kinder eine sehr große Rolle. Und auch du kommst weiter in dieser Zukunft vor liebe Fraumitherz. Aber kann das hier im Dorf überhaupt akzeptiert werden? Häufig stoße ich gerade hier im Ort an meine Grenzen. Häufig stößt man auf eine indirekte oder direkte  Ablehnung die einem unmissverständlich gezeigt wird. Letztendlich kann es mir ja auch egal sein. Es gibt da einen Vers:

„ Deine Ängste in Ehren, aber dir bleibt keine Wahl, als sie zu verlieren, wenn du deine Träume leben willst“

An dieser Aussage ist etwas dran. Das letzte Jahr hat mir gezeigt Vertrauen, Ehrlichkeit und Glaube zahlt sich immer aus. Vor sechs Monaten wusste ich nicht wie mein Leben weitergehen soll. Nun mittlerweile hat sich ein klares Bild entwickelt. Ich blicke optimistisch in eine Zukunft in der ich geleitet werde von meiner eigenen Wahrnehmung, von dir Fraumitherz und meine lieben Kinder, sowie viele eng Vertraute liebgewonnene Menschen. All diese Personen sind meine Guten Mächte die mich treu und still umgeben…

Mannmitherz…

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Ein Kommentar zu “Mein „MannmitHerz“ meldet sich zu Wort

  1. Hans-Georg
    11. Mai 2015

    Lieber Mann mit Herz,
    auch ich stand vor vielen Jahren vor dem gleichen Problem: Einen liebe Frau, ein lieber Sohn, ein Haus. Auch mir wurde irgendwann klar, dass ich schwul bin. In meinen schlaflosen Nächten sah ich mich in einen Sackgasse laufen, an deren Ende eine unüberwindbare hohe Mauer stand. Da das Haus noch nicht abbezahlt war und ich nicht wollte, dass meine Lieben ihre gewohnte Umgebung nicht verlassen müssen, kam eine Trennung für mich noch nicht in Frage. Meine Frau wusste dann irgendwann bescheid. Es liess sich nicht mehr verheimlichen, dass es mir schlecht ging.
    Vor 18 Jahren verliebte ich mich in einen Mann. Es kam zur Trennung von meiner Familie. Mein Sohn, damals 15, nahm das gelassen hin und es gab keinerlei Probleme. Meine Frau zog einen Schlussstrich mit mir da ich nicht den Mut besessen hatte, ihr von meiner Liebschaft zu erzählen. Ich hatte sie hintergangen.

    DEN Mann gibt es nicht mehr in meinem Leben, dafür ein anderer, mit dem ich nun fast 18 Jahre zusammen bin und den ich im vorigen September geheiratet habe. Mit unserem Sohn und seiner Frau haben wir ein wunderbares Verhältnis. In der vorigen Woche sind wir zum 2. Mal Opa geworden.

    Ich lese hier schon eine Weile mit und hätte schon so viel zu sagen gehabt, wusste aber irgendwie nie so genau, was und wie. Deine obigen Gedanken, besonders die von der ungewissen Zukunft haben mir jetzt den richtigen Kick gegeben, ein paar Worte schreiben zu können.

    Ich werde auch weiterhin aufmerksam das Blog verfolgen und wünsche euch allen eine gute Fortsetzung des eingeschlagenden Weges. Vielleicht melde ich mich auch mal wieder zu Wort.

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Dieser Eintrag wurde am 10. Mai 2015 von veröffentlicht.
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