Liebe im Schatten des Regenbogen

Frauen schwuler Väter sind Frauen cooler Väter

Zwischenmenschliche Beziehungen

In den vergangenen Monaten habe ich viele interessante Menschen kennen gelernt. Ich habe neue Familienmodelle entdeckt, spannende Lebensgeschichten gehört oder gelesen und meinen eigenen Horizont erweitert. Ich habe das Gefühl in den vergangenen Wochen mehr Lebenserfahrung gewonnen zu haben als ich ohne unsere neue Lebenssituation in Jahren gewonnen hätte.

Am vergangenen Freitag habe ich mich mit einer für mich bisher völlig fremden Frau getroffen. Sie hat meinen Blog gelesen, sich per Email bei mir gemeldet und wir haben festgestellt, dass wir ursprünglich aus dem gleichen Ort kommen. Noch dazu teilen wir ein Stück weit unsere Lebensgeschichte. Auch ihr Ehemann ist ein schwuler Vater. Ich hätte nicht gedacht, dass wir so viele Parallelen in unseren Geschichten finden würden. Es tut gut mit einem Menschen zu reden, sich austauschen zu können, der die eigenen Gedanken und Gefühle nachvollziehen kann, da er sich in einer ähnlichen Lebenssituation befindet. Häufig im Leben ist es nahezu unmöglich sich in die Gefühlslage eines Anderen zu versetzen, wenn man nicht das Gleiche erlebt hat.

Jetzt, aus heutiger Sicht der Dinge und mit dem Wissen über die Geschichten anderer schwuler Väter und betroffener Ehefrauen fügt sich langsam alles zusammen. Auch wenn weder ich, noch mein Mann am Anfang unserer gemeinsamen Geschichte von seiner Homosexualität gewusst haben, so gab es dennoch immer wieder Anzeichen, dass er einfach anders ist, als andere Männer. Er ist „verzaubert“! So würde es zumindest Rita Mae Brown (Rubinroter Dschungel) nennen.

In einem Gespräch habe ich vor Kurzem erfahren, dass es nach wie vor Menschen gibt, die sich fragen, wie mein Mann denn nun nach über 10 Jahren Ehe und zwei Kindern plötzlich schwul werden konnte.
Wird man plötzlich schwul? Ich glaube nicht. Ich arbeite nicht in der Forschung, aber mein Bauchgefühl würde mich auf diese Frage wie folgt antworten lassen:

Man wird nicht einfach schwul!

Ich glaube die eigene Sexualität ist tief in unserem Inneren verwurzelt. Der eine Mensch findet schnell seinen Platz im Leben, der andere braucht etwas länger. Bedeutend ist sicherlich auch der Einfluss von  Erziehung und Gesellschaft. Wenn man sein ganzes Leben lang nur das Modell Vater-Mutter-Kind kennen gelernt hat, wie soll man dann für sich akzeptieren können, dass man diesem Modell einfach nicht entspricht. Für diese Selbstakzeptanz braucht es dann wohl viel mehr Zeit und Lebenserfahrung.

Ebenso wie ich erst beim zweiten Anlauf erkannt habe, welcher Beruf mich wirklich erfüllt und mein Leben bereichert, so entdeckt ein schwuler Vater wohl erst im zweiten Anlauf seine wahre Sexualität. So sehr ich mir auch ein gemeinsames Leben mit meinem Mann gewünscht hätte, was ihn erfüllt kann ich nicht bieten.

Ich habe gelernt, dass man einen geliebten Menschen loslassen muss, um ihn seinen Weg gehen zu lassen.

Werbeanzeigen

7 Kommentare zu “Zwischenmenschliche Beziehungen

  1. Hans-Georg
    7. Juni 2015

    „Wenn man sein ganzes Leben lang nur das Modell Vater-Mutter-Kind kennen gelernt hat …“ – das ist eigentilch der Kernsatz für so viele wie wir schwulen Väter.
    Es gab eine Zeit, in der es noch kein Internet gab. Zu der Zeit war es so gut wie unmöglich, andere Lebensweisen kennenzulernen, andere Menschen kennenzulernen, die genauso sind wie ich und viele andere. Wir heirateten, bekamen Kinder und wussten gleichzeitig, dass es irgendwie nicht ganz richtig ist, was wir da machen. Aber man machte das halt so.
    Wenn ich auf mein Leben zurückblicke stelle ich fest, dass ich möglicherweise gar nicht erst geheiratet hätte, wenn es damals das Internet schon gegeben hätte.
    Gleichzeitig sage ich: Die Geburt meines Sohnes war der glücklichste Moment meines Lebens.
    Auch für dich und viele andere Betroffene ist es durch das Internet einfacher, sich auszutauschen, mit anderen Menschen zu diskutieren. Leichter ist es sicher nicht, mit einem Problem fertig zu werden.
    Aber du siehst: Es gibt andere Menschen, die dein Blog lesen, die sich sogar zu einem persönlichen Treffen und Gedankenaustausch bereiterklären.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass es mit der Zeit immer weniger schwule Väter geben wird, immer weniger Männer, die durch die Erkenntnis, dass sie schwul sind, ihre Familie in ein Loch stürzen.

    Gefällt mir

  2. Norbert Jäger
    7. Juni 2015

    Liebe Fraumitherz,

    dem Kommentar von Hans-Georg kann ich mich voll und ganz anschließen. Nur den letzten Satz kann ich so nicht bestätigen: „Ich kann mir gut vorstellen, dass es mit der Zeit immer weniger schwule Väter geben wird, immer weniger Männer, die durch die Erkenntnis, dass sie schwul sind, ihre Familie in ein Loch stürzen.“ Auch heute noch gibt es viele schwule Väter, die sich erst jetzt mit 35 bis 45 Jahren outen.

    Wenn ich ganz tief in mir zurückblicke, dann habe ich schon mit zwölf Jahren gewusst, dass ich anders bin. Ich konnte es nur nicht einordnen. Für mich gab es Ende der 60er Jahre noch nicht die Informationen, die ich gebraucht hätte.

    Aber auch heutzutage gibt es trotz Internet für die „Spätzünder“ viele Hemmnisse, um sich selbst zu erkennen. Elternhaus, Religion und Umwelt spielen bei der Erkenntnis der eigenen Sexualität immer noch eine große Rolle. Vieles wird von vornherein nicht zugelassen bzw. unterdrückt. Solange die Gesellschaft, die Schule und die Politik nicht schaffen, dass unserer Kinder frei von Vorurteilen erzogen werden, solange wird es schwule Väter geben.

    Gerade deshalb gefällt mir der neue Beitrag von Fraumitherz besonders gut.

    Der Satz „Ich habe gelernt, dass man einen geliebten Menschen loslassen muss, um ihn seinen Weg gehen zu lassen.“ beinhaltet viel Wahres. Wenn jetzt getrennte Wege gegangen werden, heißt das nicht, dass man sich nicht mehr begegnet. Jede Begegnung kann eine ganz neue Intensivität erreichen. Der verbale Austausch gewinnt an Bedeutung. Die Expartner gehen offener miteinander um und es kann eine tiefe Freundschaft und Vertrautheit entstehen – auch wenn nun jeder einen neuen Partner hat. Man muss es nur zulassen.

    Liebe Grüße aus Bremen

    Norbert

    Gefällt mir

    • fraumitherz
      7. Juni 2015

      Schon interessant, wir beide stoßen uns an dem gleichen Satz, aber aus unterschiedlichen Gründen!
      Liebe Grüße
      FmH

      Gefällt mir

  3. Hans-Georg
    8. Juni 2015

    Mein letzter Satz bezieht sich auf eine Erkenntnis über mich selbst und auf die Verfügbarkeit des Internets. Ob das Internet tatsächlich Einfluss auf darauf hat, ob Männer eher nicht heiraten weil sie erkennen „He, das gibt ja noch ganz viele, die vor dem gleichen Problem stehen wie ich“ wird sich vermutlich nicht herausfinden lassen.

    Gefällt mir

  4. ichbinich
    9. Juni 2015

    Ich habe meinen Mann auch losgelassen, trotz liebe, oder gerade aus liebe. Heute sehe ich das ein wenig anders. Ich bin der Meinung, dass gerade die Männer sich schwer tun, mit dem loslassen. Wenn es aber so klar ist, welchen Weg sie gehen müssen um sich zu finden, dann wären sie es uns Frauen.schuldig, uns loszulassen. Die wenigsten können und tun das,

    Gefällt mir

  5. ichbinich
    9. Juni 2015

    Ich habe meinen Mann auch losgelassen, trotz liebe, oder gerade aus liebe. Heute sehe ich das ein wenig anders. Ich bin der Meinung, dass gerade die Männer sich schwer tun, mit dem loslassen. Wenn es aber so klar ist, welchen Weg sie gehen müssen um sich zu finden, dann wären sie es uns Frauen.schuldig, uns loszulassen. Die wenigsten können und tun das, und sehr oft bleibt dieser schwere Schritt an uns hängen…Glg

    Gefällt mir

  6. Ella
    3. April 2017

    Ich hoffe nicht, dass es in Zukunft weniger schwule Väter gibt, überhaupt homo- und bisexuelle Eltern oder Eltern, die nicht in die vorgefertigten Schubladen von Geschlecht und Sexualität passen. Ich hoffe eher, dass sie alle mit weniger gesellschlaftlichen Repressionen ihre Elternschaften leben können. Dass es eine Erweiterung von Familienmodellen gibt, sodass niemand „in ein Loch“ stürzen muss weil das bis heute oft als einzig wahre und mögliche Vater-Mutter-Kind-Modell eben nicht passt. Denn, seien wir mal ehrlich, keine Familie gerät deshalb in eine Krise, weil ein Mitglied homosexuell/ bisexuell/ trans ist. Sondern deshalb, weil sich alle an eine neue Situation gewöhnen müssen und alle dabei – mehr oder weniger, auf bestimmte Weisen, aber bis zu einem gewissen Punkt schon „allgemein“ – mit homophoben/ biphoben/ transphoben Vorurteilen umgehen müssen. Die Vorurteile und die fehlende Akzeptanz sind das Problem, nicht die Sexualität oder das Geschlecht!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde am 7. Juni 2015 von veröffentlicht.
%d Bloggern gefällt das: