Liebe im Schatten des Regenbogen

Frauen schwuler Väter sind Frauen cooler Väter

Nähe und Distanz

Ich habe in diesem Blog immer wieder darüber geschrieben, dass es Ehepaare gibt, bei denen nach dem späten Coming-Out keine gemeinsame Basis mehr existiert. Für diesen Bruch mag es tausende Gründe geben. Ich muss an dieser Stelle gestehen, manchmal habe auch ich Angst, dass mein Mann und ich irgendwann an einen Punkt kommen werden, an dem Kommunikation nicht mehr möglich ist. Natürlich gibt es auch in unserer Beziehung Tiefpunkte. In der vergangenen Woche habe ich irgendwann einen Punkt erreicht, an dem ich das Gefühl hatte, nicht mehr mit meinem Mann reden zu können. Mir wurde alles zu viel. Es fiel mir schwer, manche seiner Aussagen nachzuvollziehen, wenn ich ihm etwas erklären wollte hatte ich immer das Gefühl nicht die richtigen Worte zu finden! Umgekehrt konnte er sagen was und wie er es wollte, bei mir kam es immer negativ an. Trotzdem gibt es nichts, was sich nicht aus der Welt schaffen lässt! Irgendwann sind wir uns einfach aus dem Weg gegangen. Ich habe lange überlegt, wie ich meine Sicht der Dinge darlegen kann, ohne wieder die falschen Worte zu benutzen und einen Streit zu provozieren. Ich habe mich kurzerhand entschlossen, meinem Mann einen Brief zu schreiben. Manchmal ist schreiben einfach leichter als Reden! Außerdem wird einem beim Schreiben vieles klarer, was man in den Gedanken nicht so einfach greifen kann. Noch dazu war ich am Wochenende mit unseren Kindern außer Haus und somit hatten beide Zeit über das Geschriebene nachzudenken. Es hat sich als richtiger Weg erwiesen. Leider hat es für meinen Mann eine schlaflose Nacht bedeutet, dass tut mir leid! Aber durch die räumliche Trennung und die geschriebenen offenen Worte über Ängste und Sorgen war es uns zu Beginn dieser Woche endlich wieder möglich ein langes, tiefgründiges Gespräch miteinander zu führen. Ich konnte in der letzten Woche selbst nicht in Worte fassen, was mit mir los war. Allerdings glaube ich nun, nach unserem Gespräch ein wenig begriffen zu haben, wo meine Probleme lagen: Es ist Jahre her, dass ich meinen Mann aus tiefstem Herzen glücklich und fröhlich gesehen habe. Seine Fröhlichkeit ist irgendwann unter einem Nebelschleier verschwunden. Scheinbar so sehr, dass ich sein wirklich glückliches Lachen schon nicht mehr kannte. Nun lichtet sich der Nebel langsam, denn er findet sich selbst und sein Glück und mir fiel es vermutlich einfach schwer, diese neue (alte) Seite an ihm für mich zu verarbeiten. Dabei gönne ich ihm alles Glück dieser Erde! Dazu kommt wohl auch, dass natürlich seit dem Coming Out beide einen Lebenswandel durchmachen. Mir war ab der ersten Sekunde klar, dass ich ihn loslassen muss und auch möchte. Allerdings entwickeln sich unsere Leben gerade so rasend schnell in unterschiedliche Bahnen, dass mich die Realität hinter dem Gedanken des Loslassens wohl einfach überrollt hat. Es liegt natürlich ein großer Schritt zwischen dem Wissen jemanden loslassen zu müssen, und auch zu wollen, und dem tatsächlichen Prozess des Loslassens. Es ist leicht zu einem Menschen der neu in unser Leben tritt die nötige Distanz zu wahren. Aber einmal zugestandene Nähe wieder in die nötige Distanz zu verwandeln ist unwahrscheinlich schwer! Ich hoffe, dass wir es schaffen in Zukunft die größtmögliche Nähe zueinander zu haben, aber auch die nötige Distanz zu wahren um eine glückliche und harmonische Zukunft zu haben.

Werbeanzeigen

Ein Kommentar zu “Nähe und Distanz

  1. mannmitherz
    22. Juli 2015

    liebe Fraumitherz,

    wir werden es schaffen uns loszulassen… Da bin ich mir ganz sicher.. Und wir werden beide dabei glücklich sein.. Wir werden immer etwas gemeinsames haben. Unsere beiden tollen Kinder… Und darauf können wir stolz sein. Ausserdem auf die Fähigkeit uns aneinander zu reiben und daraus zu erkennen, das dieser Reibungspunkt wichtig war, um daraus zu lernen. Dein Mannmitherz

    Gefällt 3 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde am 22. Juli 2015 von veröffentlicht.
%d Bloggern gefällt das: