Liebe im Schatten des Regenbogen

Frauen schwuler Väter sind Frauen cooler Väter

Warum bin ich noch da?

In den vergangenen Wochen wurden mir gelegentlich immer wieder einige kritische Fragen gestellt:

Warum machst du das? Warum bist du noch da? Warum unterstützt du ihn so sehr, wie du es tust, wo er doch die Entscheidung getroffen hat, sein schwules Leben leben zu wollen?

Zuerst einmal:

So besonders ist mein Verhalten gar nicht. Ich blicke nach vorn, gestalte mein Leben neu und plane eine Zukunft, in der mein Ehemann irgendwann nicht mehr mein Ehemann sein wird. Ich habe in den vergangenen Wochen Frauen kennen gelernt, die ganz andere Dinge für ihre Liebe auf sich nehmen. Frauen, die seit Jahrzehnten ihren schwulen Ehemännern treu zur Seite stehen und diesen den Rücken stärken. Diesen Frauen gebührt wirklich Respekt! Ich möchte nicht wissen, welchen emotionalen Kraftaufwand diese Frauen manchmal durchleben müssen.

Ich sehe mein Verhalten nicht als besondere Leistung an. Ich versuche für mich eine bestmögliche Beziehung zu dem bisher wichtigsten Mann in meinem Leben und dem Vater meiner Kinder zu erhalten. Vor allem für unsere Kinder ist es wohl wichtig zu sehen, dass Eltern sich auch ohne Streit trennen können.

Aber nun zu der wichtigsten Aussage:

Er hat sich entschieden, sein schwules Leben zu leben!

Diese Aussage teile ich nicht. Es gab kleine Momente, in denen ich mich aus Enttäuschung und Trauer zu einem „Er will es ja so!“ hätte hinreisen lassen können, sicherlich! Aber zum Glück habe ich diesen Gedanken immer wieder schnell revidieren können. Kein Mensch entschließt sich zur Homosexualität. Ich glaube in unserer Gesellschaft ist alles was nicht der klassische heterosexuelle Weg ist, ein steiniger und schwerer Weg. Welcher Mensch wählt freiwillig den schwereren Weg?
Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wohin der gesellschaftskonforme Weg geführt hätte: In den Suizid!
Ich glaube fest daran, dass kein schwuler Familienvater sich bewusst für die Homosexualität entscheidet!
Ich glaube sie ist schon lange vor dem Coming Out präsent, vielleicht sogar schon vor der Eheschließung mit uns Frauen!
Unsere Männer verdrängen und unterdrücken aus welchen Gründen auch immer ihr wahres Ich so lange, bis sie an ihre Grenzen stoßen und es keinen anderen Ausweg mehr gibt. Immer wieder lese ich in Berichten schwuler Väter, dass sie sich vor sich selbst ekelten, sich selbst nicht akzeptieren konnten. Warum sollte jemand der zunächst lernen muss sich selbst zu akzeptieren „freiwillig“ den schwereren Weg eines geouteten Lebens wählen?
„Er hat sich entschieden….“
Nein, das hat er nicht. In meinem konkreten Fall hat er mich ins Vertrauen gezogen. Der Verdacht der Homosexualität stand im Raum und beide haben entschieden, dass eine Lösung gefunden werden muss, mit der alle Beteiligten gut Leben können. Ich habe selbst erkannt, dass ich ihn freigeben muss, weil er an meiner Seite sein Lebensglück nicht finden kann. Aber auch ich kann an seiner Seite mein Lebensglück nicht finden. Und unsere Kinder? Wie sollen Kinder glücklich sein, wenn die Eltern es nicht sind?

Ein Leben lässt sich nicht von heute auf morgen umstrukturieren. Das braucht Zeit. Und alle Familienmitglieder müssen erst einmal mit den neuen Lebenswegen zurecht kommen.

Darum bin ich noch da! Und ich bin es gerne!

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2 Kommentare zu “Warum bin ich noch da?

  1. Hans-Georg
    29. Juli 2015

    Du hast es total auf den Punkt gebracht!
    Mehr ist dazu nicht zu sagen.

    Gefällt 1 Person

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Dieser Eintrag wurde am 29. Juli 2015 von veröffentlicht.
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